„ESG-Kriterien werden für Investoren immer wichtiger“

Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – die Commerzbank als großes Finanzinstitut ist gesetzlich verpflichtet, einmal jährlich über ihre Nachhaltigkeitsleistung zu berichten. Bei den entsprechenden Ratings schneidet sie regelmäßig überdurchschnittlich ab.

Wer Entscheidungen treffen muss, der braucht vor allem eins: Informationen. Das gilt auch für Investoren und andere gesellschaftliche Gruppen wie zum Beispiel Verbraucher. Soll ich in diese Firma investieren? Kann ich es verantworten, dieses Produkt zu kaufen? Für solche Entscheidungen sind die ökologischen und sozialen Aspekte eines Unternehmens durchaus relevant.

Fakten offenlegen – für mehr Transparenz

In Deutschland verpflichtet deshalb das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz große kapitalmarktorientierte Unternehmen wie die Commerzbank zu einer jährlichen nichtfinanziellen Berichterstattung. CSR steht dabei als Abkürzung für Corporate Social Responsibility, also die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens. Investoren machen dies vor allem an ESG-Kriterien fest. E steht dabei für Environment (Umwelt), S für Social (Soziales) und G für Governance (Unternehmensführung).

„Aus Gesprächen mit Investoren und Ratingagenturen nehmen wir regelmäßig mit, dass ESG-Kriterien eine immer wichtigere Rolle spielen“, sagt Dirk Bartsch, Head of Strategic Investor Relations. „Insofern ist der nichtfinanzielle Bericht auch eine Art Visitenkarte für uns.“ Vor allem der Aspekt „Umwelt“ stehe seit geraumer Zeit angesichts des Klimawandels und seiner Folgen bei vielen Investoren im Fokus. Der Bericht zeigt nicht nur die Initiativen auf, denen sich die Bank angeschlossen hat, sondern auch die Maßnahmen, die sich daraus ableiten. Dies betrifft zum Beispiel die Steuerung des Kreditportfolios: „Als konkreten ersten Schritt haben wir die CO2-intensiven Branchen unseres Gesamtportfolios identifiziert und ermitteln schrittweise die Höhe der CO2-Belastung, die mit diesen Teilportfolios verbunden ist.“ „Solche Sätze lassen Investoren natürlich aufhorchen“, erklärt Bartsch. „Schließlich wollen sie wissen, wohin die Reise geht, und Ausblicke machen neugierig auf die neue Nachhaltigkeitsstrategie der Bank.“

Viele Investoren schauen zunehmend auf Themen wie Diversity.

Dirk Bartsch, Head of Strategic Investor Relations

ESG ist mehr als Klima- und Umweltschutz

Doch nicht nur das Thema „Umwelt“ stößt bei Investoren auf großes Interesse. „Governance, also Unternehmensführung, ist ein grundlegendes Thema. Dazu gehört zum Beispiel die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats“, sagt Dirk Bartsch. „Governance ist eine Hausaufgabe, die sauber erledigt sein muss.“ An Fahrt gewinnt ihm zufolge derzeit der Aspekt „Social“. „Viele Investoren schauen zunehmend auf Themen wie Diversity, den Anteil der Frauen in Führungspositionen und die Maßnahmen der Bank für Kunden und Mitarbeiter zur Corona-Pandemie. Auch dabei ist Engagement und Transparenz gefragt.“

Ebenfalls im nichtfinanziellen Bericht enthalten: Auszeichnungen und Ratings. Denn auch sie sind für Investoren wichtige Indikatoren. So bewerten wesentliche Ratingagenturen für Nachhaltigkeit wie ISS ESG, MSCI, CDP und Sustainalytics die Commerzbank regelmäßig über dem Branchendurchschnitt. Und auch Rankings wie der Nachhaltigkeitsindex „Global 100“ von Corporate Knights, in dem insgesamt nur sieben deutsche Unternehmen vertreten sind – darunter auch die Commerzbank –, tragen zu einem guten Eindruck bei. Vor wenigen Tagen erst hat sogar der nichtfinanzielle Bericht 2019 der Commerzbank einen Spitzenplatz ergattert: In einer Analyse von Zielke Research Consult in Kooperation mit der Beratungsgesellschaft ZEB kam er unter den Berichten von 119 deutschen Kreditinstituten auf Platz 6.

Der nichtfinanzielle Bericht entsteht jeweils am Ende eines Geschäftsjahrs in der Zusammenarbeit zahlreicher Konzerneinheiten. Federführend ist dabei ein Projektteam aus Group Sustainability Management, Investor Relations und dem Aufsichtsrat. Der Bericht ist von einem Wirtschaftsprüfer geprüft und erscheint im Geschäftsbericht.

Dirk Bartsch
Foto: Privat
Dirk Bartsch

Head of Strategic Investor Relations & Rating Agency Relations / ESG

Der studierte Diplom-Betriebswirt trat 2005 als Finanzanalyst & Co-Fondsmanager in die cominvest Asset Management Gesellschaft der Commerzbank AG ein. 2008 wechselte er in die Zentrale und baute den Bereich Strategic IR neu auf, den er seitdem leitet. Ein Highlight war die erfolgreiche Emission des ersten eigenen Green Bonds der Commerzbank. In der Folge nahm das Interesse bei ESG-Investoren deutlich zu.

Nichtfinanzieller Bericht

Mit dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz hat Deutschland 2017 eine europäische Richtlinie umgesetzt. Insbesondere große börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigen sind seitdem jährlich zu einer nichtfinanziellen Berichterstattung verpflichtet. Die folgenden fünf Aspekte sind dabei vorgeschrieben: Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelange sowie Achtung der Menschenrechte und Anti-Korruption. Die Commerzbank berichtet darüber hinaus mit Kundenbelange über einen sechsten Aspekt, weil Kundenorientierung eine entscheidende nichtfinanzielle Einflussgröße auf den Konzernerfolg darstellt.

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