Umdenken im Maschinenbau

Der Maschinen- und Anlagenbau steht nicht nur durch die Corona-Pandemie vor Herausforderungen. Traditionell sei die Branche stark auf High-Tech-Produkte fokussiert. Nicht immer zum Vorteil, stellten Experten der Commerzbank vor Journalisten fest.

Thomas Enck ist Branchen-Head Kredit der Commerzbank. Und wohl derjenige Kollege in der Bank mit den häufigsten Geschäftskontakten zu Kunden aus dem Maschinen- und Anlagenbau. Zusammen mit Robert Schindler, Bereichsvorstand Mittelstandsbank Süd, sprach Thomas Enck beim virtuellen Pressegespräch vor der Fachpresse am 24. Februar 2021 über die Lage der Branche.

Wirtschaftliches Schwergewicht

Der Maschinen- und Anlagenbau ist mit über einer Million Arbeitnehmern größter Arbeitgeber in Deutschland. Die Exportquote der erzeugten Produkte liegt bei 80 Prozent. Stärken der Branche sind ihre sehr hohe technische Expertise und ihre Vorreiterrolle bei der Digitalisierung der Industrie. Herausforderungen für hiesige Unternehmen sind der Fachkräftemangel und die hohen Produktionskosten in Deutschland, die einer höheren Marktdurchdringung bei preisgünstigeren Mid-Tech-Produkten oft im Wege stehen.

Coronabedingt ist im Jahr 2020 die Produktion im Maschinen- und Anlagenbau-Sektor um 14 Prozent zurückgegangen. „Dennoch sind die meisten Betriebe bisher gut durch die Krise gekommen, die Anzahl der Insolvenzen ist sehr gering“, erklärt Robert Schindler.

Unterstützung durch Corona-Hilfen

„Wir haben uns als Commerzbank mit zusätzlichen Krediten in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro in der Branche engagiert“, sagt Schindler. „30 Prozent unserer Kunden haben Corona-Kredite beantragt.“ Überwiegend waren es Kredite für kleinere Unternehmen. „Viele nutzen die Förderkredite zur Vorsorge und zur Liquiditätssicherung“, so Schindler. Dass nicht noch mehr Maschinenbauer Kredite beantragt hatten, lag an der guten Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung der Branche.

Nicht immer ist „High Tech“ gefragt

„Die Stärke des deutschen Maschinenbaus ist zugleich seine Schwäche“, sagt Branchen-Head Thomas Enck. Das, was die Branche produziere, sei technisch auf allerhöchstem Niveau. Allerdings sei „high tech“ bei den Kunden gar nicht immer gefragt, oft würden den Abnehmern des Maschinenbaus auch einfachere Produkte genügen. In dieses Mid-Tech-Segment hineinzukommen, sei nicht so einfach, weil der Markt auch preislich stark umkämpft sei, so Enck. Durch intelligente Produktionsgestaltung wie zum Beispiel durch Standardisierung und Modularisierung könnte man bei den Produktionskosten gegensteuern. Auch die Verlagerung einfacherer Fertigungstätigkeiten an ausländische Standorte mit geringerem Kostenniveau kann hierbei helfen. Anspruchsvollere Tätigkeiten werden in Deutschland verbleiben, so dass sich – da es sich oft auch um ein Zusatzgeschäft handelt - auch positive Impulse für die hiesige Beschäftigung ergeben können.

Durchwachsene Aussichten

2021 wird es in der Branche noch keine Rückkehr zum Vorkrisen-Niveau geben. Erst ab 2022 rechnen Experten mit einer deutlichen Entspannung, in einigen Sub-Branchen sogar noch deutlich später. Robert Schindler und Thomas Enck raten den Unternehmen daher weiterhin, auf ihre Liquiditätssicherung besonderes Augenmerk zu legen, zum Beispiel durch Konsortialkredite. Schließlich müsse in nachhaltig unsicheren Zeiten Flexibilität vor Wachstum gehen, um schneller auf Veränderungen reagieren zu können.

Thomas Enck
Foto: privat
Thomas Enck

Branchen-Head Kredit Maschinen- und Anlagenbau

Er ist seit 1995 als Kreditentscheider im Firmenkundengeschäft der Commerzbank tätig. Nach Einsätzen in Potsdam, Berlin und Dortmund übernahm er 2006 als Filial-leiter die Verantwortung für das Firmenkundengeschäft in Bielefeld. Mit Aufbau der Sektor- Strukturen im Risikomanagement vor zehn Jahren übernahm er die Leitung des Sektors Maschinen- und Anlagenbau und ist mit seinem Team deutschlandweit für Finanzierungen in dieser Branche zuständig.

Robert Schindler
Foto: Pawel Becker
Robert Schindler

Bereichsvorstand Mittelstandsbank Süd

Er hat seine berufliche Laufbahn in verschiedensten Positionen des Kredit- und Firmenkundengeschäftes im In- und Ausland verbracht und war als Mitglied des Vorstandes bei der UniCredit Bank AG in München deutschlandweit für das Firmenkundengeschäft des Instituts verantwortlich. Im November 2019 über-nahm er die Leitung der Mittelstandsbank Süd.

Die Bank an Ihrer Seite