Bienenzüchter statt Holzfäller

Seit 2015 arbeitet die Commerzbank in Deutschland klimaneutral. Sie erreicht dies momentan, indem sie ihren CO2-Ausstoß stetig senkt und dann den jeweils noch nicht vermeidbaren Rest mit Zertifikaten verschiedener Projekte kompensiert. Eines der Projekte ist in Sambia.

Bienenzüchter statt Holzfäller – das ist eine der Perspektiven, die das Luangwa Community Forests Project (LCFP) sambischen Bauern bietet. Und damit auch den Wäldern in dem afrikanischen Land, die zum Klimaschutz beitragen. „Wir prüfen vorab genau, von welchen Projekten wir CO2-Kompensationszertifikate kaufen“, sagt Rainer Posselt, Umwelt- und Energiemanager der Commerzbank. „Beim Waldschutzprojekt LCPF hat uns besonders der Ansatz überzeugt, die Menschen vor Ort aktiv einzubeziehen.“ Im Dezember vergangenen Jahres hat die Commerzbank deshalb 10.000 Zertifikate vom LCFP gekauft und damit 10.000 Tonnen CO2 kompensiert – weil die entsprechende Waldfläche in Sambia bestehen bleibt.

Abgeholzte Wälder für die Holzkohleproduktion

Wälder gehören zu den wichtigsten CO2-Speichern der Welt, sie sind sozusagen von Natur aus „Klimaschützer“. Doch in vielen Ländern sind Rodungen noch Alltag. In Sambia zum Beispiel haben die ländlichen Haushalte oft keinen elektrischen Stromanschluss. Zum Heizen und Kochen verwenden die Menschen deshalb häufig Holzkohle. Der Preis dafür sind abgeholzte Wälder, die den Klimawandel weiter befeuern. Und dessen Auswirkungen zeigen sich auch in Sambia: Anhaltende Dürreperioden lassen die Ernte verkümmern, Starkregen schwemmt den Boden weg. Für viele Bauern ist die Holzkohleproduktion eine Einnahmequelle, auf die sie ohne Alternativen nicht verzichten können.

Genau an diesem Punkt setzt das LCFP an: Der Schutz der Wälder muss sich für die Menschen vor Ort lohnen. Dafür entwickelt das Projekt in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Kommunen Maßnahmen, die andere und gleichzeitig nachhaltige Einnahmequellen schaffen. Und hier kommen die Bienen ins Spiel. Denn die Honigproduktion ist ein Geschäftsmodell, das im Einklang mit dem Erhalt der Wälder steht. Daneben legt das LCFP Wert darauf, die Bevölkerung einzubeziehen und sie selbst Verantwortung für den Umweltschutz übernehmen zu lassen. Das Projekt bildet lokale Mitarbeiterinnen und Mitarbieter aus und bietet ihnen eine feste Anstellung.

Zur vielfältigen Tierwelt Sambias gehören auch Leoparden.
Zur vielfältigen Tierwelt Sambias gehören auch Leoparden. Foto: Biocarbon Partners/Chloé Evans

CO2-Kompensationszertifikate finanzieren Waldschutzprojekt

Mit diesem Vorgehen punktet das LCFP, das regelmäßig nach dem weltweit anerkannten Verified Carbon Standard überprüft wird, gleich mehrfach. „Das Schutzgebiet umfasst knapp eine Million Hektar Wald, der weiterhin als CO2-Speicher zur Verfügung steht“, erklärt Posselt. „Gleichzeitig bleibt der Lebensraum für Wildtiere erhalten. Dazu gehören in Sambia auch gefährdete Tierarten wie Leoparden, Löwen und Elefanten.“ Die langfristig angelegten Maßnahmen sichern zudem neben dem Einkommen der lokalen Bevölkerung auch die Entwicklung der Kommunen. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser, medizinischer Versorgung und Bildung wird kontinuierlich ausgebaut.

„Projekte wie das LCFP, unterstützen wir mit dem Kauf von CO2-Zertifikaten natürlich gern“, sagt Rainer Posselt. „Uns ist dabei aber bewusst, dass Kompensieren immer nur die zweite Wahl beim Klimaschutz ist. Es ist wichtiger, die Emissionen zu reduzieren.“ Die Commerzbank setzt sich deshalb seit Jahren eigene Klimaziele. So konnte sie ihren CO2-Fußabdruck in Deutschland zwischen 2007 und 2018 bereits um 70 Prozent reduzieren. Mit ihrem aktuellen Klimaziel will sie bis 2025 ihren CO2-Ausstoß um weitere 15 Prozent gegenüber 2018 senken.

Rainer Posselt
Foto: Sabine Lucas
Rainer Posselt

Umwelt- und Energiemanager

Der studierte Diplom-Betriebswirt arbeitet seit 1991 in der Zentrale der Commerzbank. Nach Aufgaben im Controlling und in der Projektarbeit übernahm er ab 1996 mehrere Leitungsfunktionen im Orga-Bereich. Seit 2007 ist er Umweltmangement-Beauftragter der Commerzbank. 2015 wurde diese Aufgabe um das Energiemanagementsystem erweitert.

CO2-Zertifikate

Die Commerzbank arbeitet nach der Devise „CO2 reduzieren geht vor kompensieren“. CO2-Zertifikate stehen für die Menge an Emissionen, die kompensiert werden. Ein Zertifikat entspricht einer Tonne Treibhausgase. Nach dem Kauf der Zertifikate werden diese stillgelegt. Sie können so nicht erneut gekauft oder gehandelt werden. Die Stilllegung wird in offiziellen Registern dokumentiert.

Projektauswahl

Die Projektauswahl der Commerzbank zur Kompensation ihrer aktuell noch nicht vermeidbaren CO2-Emissionen findet nach bestimmten Kriterien statt. Sie beziehen sich auf die Qualität der Zertifikate (z. B. Verified Carbon Standard), die Technologien, die zur CO2-Vermeidung eingesetzt werden, sowie die Länder, in denen die Projekte angesiedelt sind.
Kriterien

Klimaschutzprojekt in Sambia

Biocarbon Partners/Chloé Evans
Zugang zu sauberem Wasser, bessere medizinische Versorgung und Bildung: Das Waldschutzprojekt lohnt sich auch für die Kommunen. Foto: Biocarbon Partners/Chloé Evans
Biocarbon Partners/Chloé Evans
Der Wald bietet Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Foto: Biocarbon Partners/Chloé Evans
Biocarbon Partners/Chloé Evans
Bäume und Wälder speichern das klimaschädliche Kohlendioxid und produzieren Sauerstoff. Foto: Biocarbon Partners/Chloé Evans
Biocarbon Partners/Chloé Evans
Biocarbon Partners/Chloé Evans
Biocarbon Partners/Chloé Evans
Die Bank an Ihrer Seite