Nicht zu lange warten!

Beratung in schwierigen Berufs- und Lebenssituationen – das bietet das Employee Assistance Program (EAP). Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich hier Hilfe holen, auch bei Vorfällen von Diskriminierung, Mobbing, Stalking oder sexueller Belästigung. Einen Einblick in die Beratung gibt Lisa Behmenburg im Interview.

Frau Behmenburg, Sie sind Sozialberaterin bei EAP. Für wen ist das EAP der richtige Ansprechpartner? Zu welchen Themen beraten Sie?

Wir beraten unsere Anrufer in allen schwierigen Berufs- und Lebenssituationen. Dazu zählen psychische Probleme, Sucht, Stress oder Trauer. Es geht um die physische und psychische Gesundheit unserer Anrufer – mit allem, was dazu gehört.

Neben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kommen vor allem Führungskräfte, aber auch HR-Beraterinnen und –Berater oder Betriebsräte auf uns zu. Wir unterstützen alle in ihrer persönlichen Situation oder beruflichen Funktion. Bei Bedarf vermitteln wir auch an Spezialisten.

Wie nimmt man Kontakt zu Ihnen auf?

Der Erstkontakt erfolgt immer per E-Mail oder telefonisch. Dort erhält man sofort Auskunft von Sozialberatern zu allen Themen.

Wie können wir uns ein typisches Beratungsgespräch vorstellen?

Natürlich ist jedes Gespräch individuell - je nach Beratungsanlass. Beratungen dauern durchschnittlich 45 bis 60 Minuten. Es sind aber auch längere oder persönliche Beratungsgespräche an einem ias-Standort möglich.

Unser Ziel ist, dass jeder Anrufer seine Handlungsoptionen erkennt und mit einer Idee aus dem Gespräch geht, was sie oder er als nächstes tun kann. Nachdem wir uns ein Bild von der Lage gemacht haben, klären wir mit dem Anrufer zunächst, was genau sein Anliegen ist. Danach analysieren wir gemeinsam die Situation. Wir hören zu und fragen beispielsweise, wie sich der Anrufer fühlt. Dabei beleuchten wir unterschiedliche Aspekte und durchdenken die weiteren Schritte. Dazu gehört auch, dass wir bei Bedarf weitere Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie Unterstützungsmöglichkeiten oder auch eine externe Beratungsstelle empfehlen.

Wie sieht es bei solch persönlichen Gesprächen mit der Vertraulichkeit aus?

Rund 90 Prozent unserer Anrufer nennen ihren Namen. Bei besonders heiklen Themen kommt es vor, dass Anrufer anonym bleiben wollen. Daran halten wir uns selbstverständlich. Wir sehen weder eine Telefonnummer des Anrufers, noch können wir sonstige Rückschlüsse ziehen, wer bei uns anruft. Sozialberaterinnen und Sozialberater unterliegen nach Paragraph 203 Strafgesetzbuch der Schweigepflicht. Auch ohne Wunsch nach Anonymität geben wir niemals eine Rückmeldung an den Arbeitgeber.

Wie geht es nach dem Beratungsgespräch weiter?

Ich stelle am Ende eines Gesprächs meist Fragen wie: „Was können Sie aus dem Gespräch mitnehmen? Haben Sie eine Vorstellung, was Sie jetzt tun können? War das Gespräch hilfreich für Sie?“ Oft bekomme ich zu hören: „Ich bin froh, dass ich angerufen habe. Es hat mir gutgetan, dass mir jemand Feedback gegeben und zugehört hat.“

Wenn Sie merken, dass etwas in Schieflage gerät, holen Sie sich sofort Unterstützung.

Lisa Behmenburg

Manchmal erhalten wir nach längerer Zeit noch Rückmeldung von unseren Anrufern. Dabei berichten sie unter anderem, wie sie ein Problem im Nachgang erfolgreich lösen konnten. So etwas freut uns natürlich.

Es ist auch möglich, Folgetermine mit dem EAP zu vereinbaren. Ich frage meine Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner häufig am Ende der Beratung, ob wir noch einmal telefonieren wollen. So haben sie die Gelegenheit, mir zu berichten, ob und wie sie mit den nächsten Schritten zurechtgekommen sind.

Die Commerzbank hat kürzlich ihre Betriebsvereinbarung zum partnerschaftlichen und fairen Verhalten überarbeitet. Darin geht es um Diskriminierung, Stalking, Mobbing und sexuelle Belästigung. Wie häufig kommen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit solchen Anliegen auf Sie zu?

Von insgesamt rund 850 Anrufern in 2020 waren es etwa 25, die mit einem dieser Themen auf den EAP zugegangen sind. Unter ihnen waren sowohl direkt Betroffene, als auch Kolleginnen und Kollegen, die den Eindruck hatten, eine Kollegin oder ein Kollege benötige Unterstützung. Sie alle suchten Rat, wie sie sich verhalten sollten.

Und wie lautet Ihr Rat in diesen Fällen?

Grundsätzlich gilt: Maßgeblich ist immer, wie es bei Ihnen persönlich ankommt. Wenn Sie betroffen sind, ist es ratsam, sich nicht alleine mit der Situation auseinander zu setzen. Ich empfehle jedem: Holen Sie sich Unterstützung! Wehren Sie sich, auch wenn es schwer ist. Außerdem ist es bedeutend, sich nicht wegzuducken, wenn man mitbekommt, dass jemand anderes betroffen ist. Stärken Sie Betroffenen den Rücken! Es ist enorm wichtig, das Thema hochzuhalten!

Haben Sie noch einen allgemeinen Tipp zum Schluss?

Wenn Sie das Gefühl haben, etwas gerät aus dem Gleichgewicht, holen Sie sich sofort Hilfe. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele sehr lange versuchen, selbst eine Lösung zu finden. In unseren Gesprächen wird deutlich, dass einige Anrufer ein Thema und damit eine Belastung schon sehr lange mit sich herumtragen. Oft warten sie dabei zu lange, weil sie unsicher sind und nicht schwach erscheinen möchten. Sie holen sich erst dann Hilfe, wenn es gar nicht mehr geht. Aber genau für solche Anliegen sind wir vom EAP da. Wir beraten Sie vertraulich und auf Wunsch anonym.

Employee Assistance Program (EAP)

EAP bietet Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bank kompetente Beratung in schwierigen Berufs- und Lebenssituationen. Auch Führungskräfte, HR-Beraterinnen und -Berater sowie Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter können EAP aus ihrer Funktion heraus nutzen Die EAP-Beraterinnen und -Berater sind von montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr telefonisch unter 0800-3344304 oder per E-Mail unter eap@ias-gruppe erreichbar.

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