Sustainable-Finance-Gipfel 2020: ein Ausblick

Am 28. September findet der erste virtuelle European Sustainable Finance Summit statt. Rüdiger Senft, Head of Sustainability bei der Commerzbank, hat sehr konkrete Vorstellungen, welches Thema ganz oben auf die Agenda gehört.

Was erwarten Sie vom Sustainable-Finance-Gipfel?
Rüdiger Senft: Ein entscheidender Punkt für mich ist, dass wir die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Finanzindustrie und Realwirtschaft weiter voranbringen und gemeinsam dafür sorgen, dass wir das Pariser Klimaziel erreichen.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Initiativen, Pläne und Vorhaben, die verbindliche und durchaus ambitionierte Klimaziele verfolgen. Deutschland will zum Beispiel bis 2030 die CO2-Emissionen um 55 Prozent senken.

Gleichzeitig wird in der EU der Green Deal vorangetrieben. Bis 2050 soll Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent werden.

Auf globaler Ebene für uns besonders wichtig sind die Principles for Responsible Banking, die 2019 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen worden sind. Sie heben ganz explizit auf die Verantwortung aber auch die Handlungsmöglichkeiten der Banken ab, wenn es um die viel diskutierte Transformation der Realwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit geht. Denn mit den passenden Finanzinstrumenten kann die Realwirtschaft viel tun für eine klimafreundliche Entwicklung.

Wo wollen Sie hier ansetzen?
Senft: Die wichtigste Frage für uns ist: Wie können wir unsere Kunden dabei unterstützen, unter diesen Rahmenbedingungen wettbewerbsfähig zu bleiben. Dazu gehören verschiedene Aspekte wie zum Beispiel: Haben unsere Kunden die Herausforderungen einer Wirtschaft, in der immer strengere Umweltauflagen einzuhalten sind bereits erkannt? Wurden bereits Maßnahmen hinsichtlich Strategie oder Ressourcen-Management eingeleitet? Wie sieht es mit wichtigen Umweltkennzahlen, zum Beispiel zum eigenen CO2-Fußabdruck, aus? Hierüber wollen wir mit unseren Kunden sprechen, um sie für die Herausforderungen zu sensibilisieren und spürbare Handlungs-Impulse zu setzen. Deshalb engagieren wir uns auch stark in dem Projekt des Green and Sustainable Finance Clusters Germany, in dem es genau um diesen Dialog zwischen Finanz- und Realwirtschaft geht.

Und was bedeutet das konkret für die Kunden der Commerzbank?
Senft: Umweltkennzahlen werden für unsere geschäftlichen Entscheidungen immer wichtiger. Um hier einen aussagekräftigen Datenbestand aufbauen zu können, sind wir auf eine enge Zusammenarbeit insbesondere mit unseren mittelständischen Kunden angewiesen.

Wir können Stand heute die benötigten Informationen nicht komplett extern beschaffen. Je besser aber unsere Datenlage im Hinblick auf ein bestimmtes mit dem Klimawandel verbundenes unternehmerisches Risiko ist, desto genauer können wir dies bei unseren Entscheidungen berücksichtigen. Deswegen werden wir Nachhaltigkeits-Aspekte künftig systematisch im Austausch mit unseren Kunden ansprechen.

Und was heißt das für eine Bank wie die Commerzbank?
Senft: Für uns selbst stellen die Zahlen, Daten, Fakten ein tragfähiges Fundament dar, um die Höhe von Klimarisiken beziffern zu können. Nur so wird uns eine effektive Steuerung des Kreditportfolios gemäß den Vorgaben des Pariser Klima-Abkommens gelingen. Wir setzen hier auf die Science Based Target Initiative. Das ist ein Zusammenschluss von engagierten Unternehmen und Klimaexperten, der sich dafür einsetzt, die Reduktion von Treibhausgasen in Unternehmen auf Basis von wissenschaftlich berechneten Zielvorgaben zu bemessen.

Ab dem kommenden Jahr werden wir auch regelmäßig darüber informieren, welche Fortschritte wir bei der Umsetzung dieser klimabezogenen Portfoliosteuerung machen. Transparenz ist uns ein großes Anliegen, denn wir gehören zu den rund 1.000 Unternehmen weltweit, die die Empfehlungen der Task Force on Climate Related Financial Disclosures unterstützen, die genau dies vorsehen.

Benötigen Sie weitere Unterstützung von der Politik, um voranzukommen?
Senft: Für uns als Bank ist es wichtig, dass im Rahmen der Taxonomie die durch den EU-Gesetzgeber vorgenommene Einstufung von Wirtschaftsaktivitäten als „grün“ flexibel und dynamisch anwendbar ist. Sie sollte ohne viel Bürokratie auskommen. Dann ist die Taxonomie eine fundierte Basis für unsere Kundengespräche und kann in der Realwirtschaft spürbare Impulse in Richtung mehr Nachhaltigkeit entfalten. Hier wünsche ich mir ein entsprechendes Handeln von politischer Seite.

Rüdiger Senft, Head of Sustainability
Rüdiger Senft, Head of Sustainability Foto: Thomas Klewar
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