„Nachhaltigkeit ist eine Sache der Haltung“

Wie man im Segment Privat- und Unternehmerkunden die steigende Nachfrage der Kunden nach ökologisch und ökonomisch verantwortungsvollen Geldanlagen erfüllt, erläutern Arno Walter und Stefanie Pietsch.

Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit in Deinem Geschäftsbereich?
Arno: Das Thema ist für uns wichtiger denn je. Die gesellschaftliche Debatte über den Klimawandel und nicht zuletzt die Corona-Krise haben gezeigt: Viele Kunden wollen den Wandel in eine zukunftsfähige Welt aktiv mitgestalten. Das sehen wir an unseren Produktabschlüssen, und ich erlebe das auch privat.

Ich werde im Bekanntenkreis viel häufiger als früher gefragt, wie man sein Geld nicht nur nach Rendite-Gesichtspunkten anlegt, sondern gleichzeitig ökonomisch und ökologisch verantwortungsvoll. Und dass beides kein Widerspruch ist, ist ja mittlerweile bekannt. Weil nachhaltige Geldanlage in Zukunft immer wichtiger werden wird, erweitern wir unser Angebot an innovativen nachhaltigen Finanzprodukten und stärken dahingehend das Know-how und die Kompetenz unserer Mitarbeiter.

Immer mehr Menschen möchten also ihr Geld nachhaltig anlegen...
Stefanie: Ja, allein in diesem Jahr investiert jeder fünfte neu abgeschlossene Wertpapiersparplan in nachhaltige Fonds – und das bieten wir schon ab 25 Euro im Monat an. Außerdem sind die Gesamtinvestitionen in unsere nachhaltige Vermögensverwaltung in diesem Jahr um 50 Prozent gestiegen. Mit der nachhaltigen Vermögensverwaltung entscheiden sich unsere Kunden nicht nur für einen renditestarken Investmentprozess, der nach Aspekten der Nachhaltigkeit anlegt, sondern tragen auch zur Veränderung bei: Für jeden Kunden, der seine Geldanlage mit uns nachhaltig ausrichtet, fördern wir einmalig die Aufforstung von 50 Quadratmetern öffentlichem Wald in Deutschland.

Arno: Bei der comdirect beispielsweise haben die Kunden schon länger die Möglichkeit, im „Motiv-Investing“ ihr Geld in bestimmten Themenfeldern anzulegen, zum Beispiel Robotics, Cybersicherheit, Gesundheit oder eben auch Nachhaltigkeit. Und tatsächlich ist es so, dass die meisten Abschlüsse bei nachhaltigen Anlagen getätigt werden.

Erneuerbare Energien sind ja auch ein großes Thema. Können Privatkunden darin auch ganz gezielt investieren?
Stefanie: Ja, auch das geht inzwischen. Vor kurzem hat unsere Konzerntochter Commerz Real mit dem klimaVest ihren ersten Impact Fonds mit Sachwertfokus für Privatanleger gestartet. Damit können Kunden gezielt in Sachwerte wie Windenergie-Anlagen, Photovoltaik, Wasserkraft oder Bioenergie investieren, was bisher nur institutionellen Investoren vorbehalten war.

Dank der Strukturierung als ELTIF (European Long-term Investment Funds) leisten die Kunden durch ihre Investition einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz bei gleichzeitiger Chance auf eine attraktive Rendite. Mit dem eigens dafür entwickelten CO2-Rechner können sie außerdem ihren persönlichen CO2-Fußabdruck und den CO2-Ausgleich ihrer klimaVest-Geldanlage bestimmen.

Und wie sieht es im Kreditgeschäft beziehungsweise bei einer Baufinanzierung aus?
Stefanie: Auch bei der Investition in eine Immobilie oder beim Kauf eines Eigenheims können wir bereits heute verantwortungsbewusste Lösungen anbieten. Unsere Kunden bekommen einen Zinsrabatt von 0,1 Prozent für energieeffiziente Bauvorhaben. Mittlerweile ist jede fünfte Baufinanzierung der Commerzbank eine „grüne“ Finanzierung. Und nicht zuletzt fließen die gesparten Kosten bei der Entscheidung für das elektronische Postfach im Onlinebanking direkt in unser Partnerprojekt „Bergwald“. Damit konnten wir in den vergangenen zwei Jahren mehr als 670.000 Quadratmeter neuen Wald aufforsten lassen.

Arno: Das Asset Management der Commerzbank gehört übrigens zu den Unterzeichnern der Principles for Responsible Investment (PRI), einer Investoreninitiative in Partnerschaft mit den Vereinten Nationen. Mit der Unterzeichnung verpflichten wir uns zu einer stärkeren Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei unseren Investitionsentscheidungen. Und im Rahmen der EU-Nachhaltigkeitsgesetzgebung werden zukünftig Finanzdienstleister sogar verpflichtet, nachhaltige Investitionsziele der Anleger zu erfragen.

Stefanie: Verpflichtung ist das eine. Viel wichtiger ist mir, dass jeder Berater und jede Beraterin von sich aus Lust hat, mit den Kunden nachhaltige Finanzlösungen zu besprechen – schließlich sind wir als Commerzbank schon lange Vorreiter bei diesem Thema. Nachhaltigkeit beginnt im Kopf eines jeden Einzelnen und ist auch eine Sache der persönlichen Einstellung und Haltung. Ich bin überzeugt, unsere Kunden werden den Unterschied merken, ob eine Bank und der Berater das ernst meinen oder nicht.

Glaubst Du, dass der Trend anhalten wird?
Arno: Nachhaltigkeit ist keine kurzfristige Modeerscheinung, sondern ein Megatrend, der bleibt. Als Bank nehmen wir eine Schlüsselrolle ein. Wir sind das Bindeglied zwischen Politik, Unternehmen und Kunden. Die Herausforderung ist: Wir müssen bei diesem Thema immer wieder aufs Neue unsere Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen.

Das tun wir sehr erfolgreich. Schließlich war die Commerzbank mit ihrem Greenbuilding-Hochhaus schon Mitte der 1990er-Jahre Vorreiter, und wir haben mit zahlreichen Initiativen den Grundstein für eine nachhaltige Bank gelegt. Auch im Segment Privat-und Unternehmerkunden sind wir auf einem guten und zielführenden Weg.

Wie sieht denn Euer persönlicher Beitrag in puncto Nachhaltigkeit aus?
Arno: Selbstverständlich habe ich einen Teil meines Geldes nachhaltig investiert. Übrigens enthalten auch die Wertpapier-Sparpläne meiner bald erwachsenen Kinder ESG-konforme Anlagen. Das war ihnen wichtig. Überhaupt machen die beiden die Folgen des Klimawandels bei uns zuhause immer wieder zum Thema. Es geht schließlich um ihre Zukunft und genau genommen ist es nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf.

Stefanie: Ich leite privat ein Spendenprojekt in Portugal, das eine nachhaltige Agrar- und Forstwirtschaft fördert und habe dieses Jahr berufsbegleitend an der University of Cambridge einen Abschluss in Sustainibility Business Management gemacht. Es ging darum, wie man den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit in Unternehmen stärker verankern kann. In der Commerzbank bin ich im Segment Privat- und Unternehmerkunden dafür mittlerweile federführend zuständig und kann auf die Unterstützung von Arno und vielen Kollegen zählen.

Foto: Alexandra Lechner
Arno Walter

Bereichsvorstand Wealth Management & Unternehmerkunden

Er verantwortet seit Anfang 2020 neben Wealth Management und Unternehmerkunden das Wertpapier- und Einlagengeschäft, das Filialmanagement und die regulatorischen Themen. Von 2015 bis 2019 war er Vorstandsvorsitzender der Comdirect. Der Bankkaufmann und Diplom-Betriebswirt war bei der ehemaligen Dresdner Bank und der Deutschen Börse und kam 2002 zur Commerzbank, wo er seitdem verschiedene Führungspositionen inne hatte.

Foto: Alexandra Lechner
Stefanie Pietsch

Bereichsleiterin Wealth Management

Sie leitet seit Juli 2019 das Kundenmanagement im Wealth Management, Segment Privat- und Unternehmerkunden. Hier unterstützt sie mit ihrem Team den Vertrieb bei der Beratung vermögender Kunden und begleitet die strategische Weiterentwicklung des Segments. Sie kam 2000 zur Commerzbank in Luxemburg. Es folgten verschiedene Führungspositionen im Wealth Management – sowohl in der Niederlassung als auch in der Zentrale.

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