Umweltarbeit auf der Hamburger Hallig. Langweilig? Nie!

Inseln und Halligen an der Nordsee sind beliebte Touristenziele, zugleich sind sie aber auch Schutzgebiete. Wie bringt man Naturschutz und Erlebnis auf einer Hallig in Einklang? Praktikanten unterstützen seit vielen Jahren bei diesem Balanceakt und machen spannende Erfahrungen.

Morgens gegen sieben Uhr, wenn Theresa Loch auf der Hamburger Hallig aus ihrem kleinen Haus auf der Warft tritt, erlebt sie Hallig pur. Menschen? Fehlanzeige! Dafür jede Menge Salzwiese, eine vielfältige Vogelwelt und unzählige Schafe. Ihr Weg führt sie immer erst direkt zum Strand, wobei vom Meer an manchen Tagen jede Spur fehlt, an anderen die Nordsee hohe Wellen schlägt.

„Ich bin vor meinem Arbeitsalltag immer gerne am Meer und genieße die Zeit allein bevor ich mich an die Arbeit mache und die ersten Menschen kommen“, erzählt die 24-Jährige. Die Hamburger Hallig ist eine der zehn Halligen im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Für die Versorgung der Hamburger Hallig wurde vor 130 Jahren ein Damm mit Betonplatten gelegt. Im Lauf der Jahrzehnte hat sich rechts und links des Damms so viel Sediment abgelagert, dass das gesamte Areal heute gut tausend Hektar groß ist.

Die Arbeitsstätte der Umweltpraktikantin ist die Wattwerkstatt. Hier wird Wissenswertes und Erstaunliches über das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer vermittelt. Corona-bedingt dürfen derzeit nur zwei Personen bzw. ein Haushalt die kleine Ausstellung zur gleichen Zeit besuchen. Sie müssen Mundschutz tragen, Hände desinfizieren und Kontaktdaten hinterlassen. Während des hohen Besucheraufkommens auf der Hamburg Hallig ist dies keine einfache Situation. Die Tagesgäste reisen mit dem Auto, mit dem Rad und auch zu Fuß über den vier Kilometer langen Damm an. Die meisten Gäste zeigen Verständnis für die Regeln, manchmal kommen aber auch Coronaleugner vorbei, erzählt Theresa.

Naturphänomen Sturmflut

Bis zum Vormittag läuft es heute jedoch entspannt: Schnell repariert die Umweltpraktikantin noch die vom Wind zerfetzte Flagge vor dem Haus, dann notiert sie die Wasserstände auf einer Tafel, die vor der Wattwerkstatt steht. Hier bleiben die Halligbesucher oft stehen, um Ebbe- und Flutzeiten zu erfahren. „Es ist immer wieder beeindruckend zu beobachten, dass das Wasser steigt und steigt und das einzig und allein ein Naturphänomen ist“, erzählt Theresa.

Auch die Besucher sind von dem Naturereignis begeistert. Besonders spannend ist meist das Thema Sturmfluten. Auf großen Informationswänden kann dazu viel Wissenswertes nachgelesen werden und Theresa übernimmt fachkundig die Führung durch die Ausstellung. Darüber hinaus ist die Hamburger Hallig ein wichtiges Brut- und Rastgebiet für viele Vogelarten. „Das Betreten der Salzwiesen, freilaufende Hunde und Drachen steigen lassen sind daher verboten“, erläutert Theresa.

Obwohl es hier oft einsam ist, wird es nie langweilig.

Theresa Loch, Umweltpraktikantin

Manchmal – bei schlechtem Wetter – verbringt die Studentin ihre Zeit auch mit Notizen und Stoffsammlungen. Sie lernt viel über die extremen Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen durch das salzige Nordseewasser. Oder sie schreibt an ihrem neuen Halligführungskonzept, das den Menschen diesen besonderen Schutzraum noch besser näher bringen soll, denn das Interesse wächst ständig.

„Obwohl es hier oft einsam ist, wird es nie langweilig“, beschreibt Theresa den Reiz ihres Praktikumsplatzes. Die Abende ohne Internet und Fernsehen verbringt sie meist mit Lesen. Zum Beispiel „Das Mädchen von der Hallig“ von Cornelius Jensen. „Von der Geburt im Jahr 1921 bis in die 70er Jahre berichtet das Buch von ihren schönen und schweren Zeiten auf der Hamburger Hallig.“ Theresa nutzt solches Wissen für ihr Praktikum auf der Warft und für ihr Studium der Umweltwissenschaften. „Ich sammle quasi Informationen aus alten Zeiten für unsere Zukunft.“

Während ihres Praktikums habe sie viel über den Nationalpark Wattenmeer gelernt – und dieses Wissen an interessierte Menschen weitergegeben, resümiert Theresa ihre bisherige Zeit auf der Hallig. „Das schönste Erlebnis hier ist der Rhythmus der Gezeiten. Es ist spannend, täglich zu beobachten, wie hoch die Flut steigt. Aber auf meiner kleinen Warft fühle ich mich sicher.“

30 Jahre Umweltpraktikum

„2020 feiert das Umweltpraktikum seinen 30. Geburtstag und es ist heute mindestens so aktuell wie bei seiner Gründung. Klimawandel, Umweltschutz und Artenvielfalt sind Themen, die die Gesellschaft stark bewegen“, sagte Marktbereichsleiterin Annika Kopka von der Commerzbank Husum. Sie übernimmt jährlich die Begrüßung der Praktikanten im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. „Studierende können im Praktikum hautnah erleben, wie Ökosysteme funktionieren und was für ihren Erhalt getan werden muss. Solche Erfahrungen und Kompetenzen bereiten auch auf moderne Berufsfelder wie zum Beispiel das Umweltmanagement vor.“

Theresa Loch ist eine von bisher fast 1800 Umweltpraktikantinnen und -praktikanten. Die Commerzbank organisiert und finanziert das Praktikum, die Schutzgebiete sorgen für die fachliche Betreuung. „Das Umweltpraktikum ist längst zu einer festen Größe im gesellschaftlichen Engagement der Bank geworden. Die Teilnehmenden tragen tatkräftig zum Umwelt- und Naturschutz bei und unterstützen insbesondere die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit“, sagt Anette Jung, die das Sponsoring-Projekt der Commerzbank leitet.

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist als Projektpartner des Umweltpraktikums von Beginn an dabei. Insgesamt zählen 27 Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservate in ganz Deutschland zu den Projektpartnern. Ob an der Nordsee, in den Alpen oder in der Sächsischen Schweiz: Die Praktikanten sind mindestens drei Monate in einem der Schutzgebiete im Einsatz. Dort erhalten sie umfassende Einblicke in die Arbeitsabläufe und arbeiten eigenständig mit. Zum Beispiel übernehmen sie Führungen, kümmern sich um die Informationsstände oder entwickeln neue Konzepte für Exkursionen und Veranstaltungen.

Theresa Loch, Umweltpraktikantin
Foto: Nationalpark-Verwaltung
Theresa Loch

Umweltpraktikantin

Sie hat Umweltwissenschaften mit Fokus auf Nachhaltigkeit an der Universität Lüneburg studiert. Nach dem Abschluß ihres Bachelors wollte sie die Zeit für ein Praktikum nutzen und stieß bei ihrer Recherche im Internet auf das Umweltpraktikum der Commerzbank.

Commerzbank-Umweltpraktikum

Das Commerzbank-Umweltpraktikum entstand 1990 als gemeinsames Projekt der deutschen Nationalparks und der Commerzbank. Heute zählen 27 Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservate zu den Projektpartnern. Die Bewerbungsphase startet jedes Jahr im Herbst und endet am 15. Januar des Folgejahres. Naturbegeisterte Studierende aus Deutschland und anderen EU-Ländern können sich ab dem 30. Oktober wieder um einen der 75 Praktikumsplätze bewerben. Die Frist läuft bis zum 15. Januar 2021.

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Umweltpraktikum auf der Hamburger Hallig

Nationalpark-Verwaltung
Theresas wohnt allein in dem Haus auf der Warft. Statt von Häusern und Menschen umgeben zu sein, lebt sie mitten in der Naur, umgeben von Salzwiese und Schafen. Foto: Nationalpark-Verwaltung
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Arbeit mit Coronamaßnahmen: Derzeit dürfen nur zwei Personen bzw. ein Haushalt die kleine Ausstellung zur gleichen Zeit besuchen. Sie müssen Mundschutz tragen und die Hände desinfizieren. Foto: Nationalpark-Verwaltung
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Die Hamburger Hallig ist ein wichtiges Brut- und Rastgebiet für viele Vogelarten. Theresa erzählt den Besuchern von der Vogelkunde. Foto: Nationalpark-Verwaltung
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Theresa bei der Entwicklung des neuen Halligführungskonzepts. Foto: Nationalpark-Verwaltung
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Statt Internet und Fernsehen beschäftigt sich Theresa in ihrer freien Zeit mit Büchern. Hier zeigt sie ihr liebstes Buch „Das Mädchen von der Hallig“ von Cornelius Jensen. Foto: Nationalpark-Verwaltung
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Theresa bei der fachkundigen Führung durch die Ausstellung für Besucher der Hallig. Foto: Nationalpark-Verwaltung
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