Die Gewinner stehen fest

Die Landesbühnen Sachsen, das Kulturforum Witten, das Kunsthaus Dresden und die Traumschüff e. G. nahe Potsdam sind die ZukunftsGut-Preisträger 2020 der Commerzbank-Stiftung. Wegen des Coronavirus fand die Preisverleihung dieses Mal als digitales Format statt.

Zwei erste Plätze und zwei zweite – schon das unterscheidet diese ZukunftsGut-Preisverleihung von der ersten im September 2018, als die Jury jeweils einmal die Plätze eins bis drei auszeichnete. Und auch das Format war anders: Statt bei einer öffentlichen Veranstaltung kamen die für ZukunfsGut 2020 Nominierten, Fachpublikum, Jury und Stiftung in einem Videocall zusammen.

Corona? Corona!

Aber der Reihe nach: Ende Januar 2020 schrieb die Commerzbank-Stiftung zum zweiten Mal überhaupt ihren mit insgesamt 80.000 Euro dotierten ZukunftsGut-Preis aus. Er richtet sich an Kulturinstitutionen in Deutschland, die kulturelle Vermittlung und Bildung als Kern- und Querschnittsaufgabe im eigenen Haus verankert haben und weiterentwickeln. „ZukunftsGut ist für uns etwas Besonderes“, sagt Astrid Kießling-Taşkın, Vorständin der Commerzbank-Stiftung. „Er ist nicht nur der höchstdotierte Preis für Kulturvermittlung in Deutschland, wir setzen ihn auch in Eigenregie um.“ Dass das Coronavirus dabei eine Rolle spielen könnte – damals eher unwahrscheinlich.

Doch es kam anders. Dem Ende der Bewerbungsphase am 31. März fieberten Kießling-Taşkın und ihre Kolleginnen aufgrund der Pandemie aus dem Homeoffice heraus mit Spannung entgegen. Wie viele Kultureinrichtungen würden sich trotz der Corona-Einschränkungen bewerben? Die Antwort zeichnete sich erst kurz vor Schluss ab: 121! „Diese tolle Resonanz hat uns natürlich sehr gefreut“, sagt Kießling-Taşkın. „Sie zeigt auch, dass die Frage, auf welche Art und Weise Kultur dem Publikum vermittelt werden kann, in den Einrichtungen an Relevanz gewonnen hat. Mit unserem Preis wollen wir vorbildliche Strategien würdigen und deren Weiterentwicklung vorantreiben.“

Shortlist mit 21 Nominierten

Für das Stiftungsteam und die ZukunftsGut-Fachjury unter der Leitung von Birgit Mandel, Professorin für Kulturvermittlung an der Universität Hildesheim, begann nun die eigentliche Arbeit: das Sichten aller Bewerbungen und ein erstes Bewerten – neben anderen Projekten und unter strikter Einhaltung der Corona-Abstandsregeln. Also meistens per Telefon oder Videoschaltung. „In Anbetracht vieler toller Einsendungen fiel uns schon die erste Auswahl schwer und die Bedingungen unter Corona haben es nicht einfacher gemacht“, bekennt Astrid Kießling-Taşkın.

Anfang Juni hatten es schließlich 21 Kultureinrichtungen auf die Shortlist geschafft – vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe über die Kunsthalle Emden bis zum Berliner Ensemble. Während sich die Fachjury nun auf die engere Bewerberauswahl konzentrierte, rückte die Stiftung die 21 Nominierten in den Fokus und stellte sie auf ihrem Instagram-Kanal individuell vor. „Gerade in Zeiten wie diesen wollten wir auf die Arbeit dieser Einrichtungen hinweisen“, sagt Kießling-Taşkın, „Wir sind überzeugt: Die Teilhabe an Kultur ist wesentlich für unsere Gesellschaft. Oder kurz: Kultur schafft Zukunft.“

Astrid Kießling-Taşkın, Vorständin der Commerzbank-Stiftung
Astrid Kießling-Taşkın, Vorständin der Commerzbank-Stiftung Foto: Pavel Becker

ZukunftsGut 2020

Landesbühnen Sachsen / Matthias Rietschel
Platz 1: Die Landesbühnen Sachsen stehen für eine erfolgreiche Öffnung ihres Kulturangebots. Sie bringen ihre Programme in (Land-)Räume, die nicht oder nur schlecht einbezogen sind. Foto: Landesbühnen Sachsen / Matthias Rietschel
Landesbühnen Sachsen
Zudem knüpfen die Landesbühnen Sachsen ein Netzwerk unterschiedlichster Partner. Ziel ist, die Regionen, die kaum eine öffentliche Stimme haben, durch die Vielstimmigkeit der Programme zu stärken. Foto: Landesbühnen Sachsen
Roland Baege
Ebenfalls Platz 1: Das Kulturforum Witten überzeugte die Jury vor allem unter dem Aspekt der strukturellen Veränderungsorientierung. In einem Zukunftslabor werden die kommunalen ... Foto: Roland Baege
Roland Baege
... Kultureinrichtungen befähigt, im engen Austausch mit der Bevölkerung kulturelle Stadtentwicklung voranzubringen. Dabei geht es auch um die Entwicklung neuer Organisationskulturen. Foto: Roland Baege
David Brandt
Platz 2: Das Kunsthaus Dresden verortet sich ebenfalls mitten in der Stadtgesellschaft und schafft dort eine Plattform für aktive Auseinandersetzung und Teilhabe am Zeitgeschehen. Dabei verfolgt ... Foto: David Brandt
Swen Rudolph
... das Haus einen kollaborativen Kulturvermittlungsansatz, der auf eine Verbindung von fachlichem Diskurs und publikumsnahen Angeboten setzt. Foto: Swen Rudolph
Sophia Sorge
Ebenfalls Platz 2: Das Traumschüff e. G. nahe Potsdam ist beispielhaft für die mutige Entwicklung von mobilen Räumen der kulturellen Produktion und Bildung. Mit einem Katamaran besucht das ... Foto: Sophia Sorge
Josefine Hüttig
... genossenschaftlich organisierte Theater die Menschen im Umland von Berlin, nahe der Havel. Es bietet Menschen abseits der Hauptstadt die Chance, künstlerische und performative Prozesse zu erleben. Foto: Josefine Hüttig
Commerzbank-Stiftung
Die Commerzbank-Stiftung stellte die 21 für ZukunftsGut nominierten Kultureinrichtungen in einem Sommer-Special von Twitter aus auf Instagram vor. Foto: Commerzbank-Stiftung
Commerzbank-Stiftung
Zwei weitere Beispiele der Aktion Foto: Commerzbank-Stiftung
Landesbühnen Sachsen / Matthias Rietschel
Landesbühnen Sachsen
Roland Baege
Roland Baege
David Brandt
Swen Rudolph
Sophia Sorge
Josefine Hüttig
Commerzbank-Stiftung
Commerzbank-Stiftung

Preisverleihung einmal anders

Erst vor wenigen Tagen, in einer digitalen Veranstaltung, dann der Höhepunkt: Die Commerzbank-Stiftung und ihre Jury gaben die ZukunftsGut-Gewinner bekannt. Die Landesbühnen Sachsen und das Kulturforum Witten erreichten den ersten Platz. Sie erhielten für ihre strategische Kulturvermittlungsarbeit jeweils 25.000 Euro. Der zweite Platz ging an das Kunsthaus Dresden und die Traumschüff e. G. nahe Potsdam. Sie wurden jeweils mit 15.000 Euro belohnt. „Die Bewerbungen der Nominierten lagen qualitativ sehr eng beieinander“, sagt Kießling-Taşkın. „Wir haben deshalb entschieden, zwei erste und zwei zweite Plätze zu vergeben und dafür den dritten Platz auszusetzen.“

Die Fachjury lobte die Gewinner vor allem für ihre agile Programmatik und ihr niedrigschwelliges Öffnungsangebot an das Publikum. „Unsere Preisträger zeigen, dass eine innovative und strategische Bildungsarbeit nicht nur in Städten, sondern auch im ländlichen Raum möglich ist“, sagte Birgit Mandel. Und sie betonte: „Gerade jetzt stehen Kultureinrichtungen, die ihre Systemrelevanz beweisen müssen, unter großem Druck, den Kontakt mit ihrem Publikum und den Rückhalt in der Bevölkerung zu stärken.“

Die nächste Ausschreibung von ZukunftsGut ist für 2022 geplant. Dann hoffentlich ohne Corona.

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