Im Einsatz gegen die Pandemie

Von jetzt auf gleich ordnete die Bundesregierung im August 2020 die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten an. So schnell gelang das nur mit Hilfe von Soldaten und Reservisten der Bundeswehr wie Siegfried Siebelds (oben rechts im Bild).

Über zwei Millionen Corona-Infizierte und mehr als 60.000 - an und mit einer Covid-19-Erkrankung - Verstorbene allein in Deutschland. Zu den vielen Menschen, die Betroffenen helfen oder versuchen, die Pandemie einzudämmen, gehört Siegfried Siebelds. In der Bankzentrale ist er seit über dreißig Jahren in der Vermögensverwaltung tätig, zuständig für die Betreuung wohlhabender Kunden. Nebenberuflich ist der 57-Jährige Oberstleutnant der Reserve und Beauftragter der Bundeswehr für zivil-militärische Zusammenarbeit für die Stadt Frankfurt.

100 Helfer gesucht

In dieser Funktion bekommt er Anfang August einen Anruf vom Landeskommando Hessen der Bundeswehr. Es zeichne sich ab, dass die Inzidenzwerte nach den Sommerferien ansteigen werden. Reiserückkehrer aus Risikogebieten sollen daher gesetzlich verpflichtet werden, sich testen zu lassen. Doch die personellen Kapazitäten des Testzentrums des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) am Frankfurter Flughafen reichen nicht aus. Das Gleiche gilt auch für andere deutsche Flughäfen. Für Frankfurt werden sehr kurzfristig rund einhundert zusätzliche Helfer gebraucht. Nur einen Tag nach dem Anruf bei Siebelds tritt das Gesetz schon in Kraft.

„Normalerweise kann keine Organisation so auf die Schnelle für eine unbestimmte Zeit Helfer zur Verfügung stellen“, sagt Siebelds. „Eine Stadt oder Kommune prüft zunächst aber, ob auf ziviler Ebene unterstützt werden kann, etwa durch Firmen oder andere Hilfsorganisationen. Erst dann kommen Reservisten und aktive Soldaten der Bundeswehr zum Einsatz. Sie helfen bei administrativen, organisatorischen oder technischen Abläufen.“

Reservist, erläutert er, sei zunächst jeder, der Wehrdienst geleistet habe. Manche von ihnen würden sich bereiterklären, in Katastrophenfällen einzuspringen, wie zum Beispiel beim Elbehochwasser 2013 oder so wie hier. Das nenne sich dann Amtshilfe. „Jede Stadt und jeder Landkreis hat für diese Fälle zwölf dafür ausgebildete Reservisten“, sagt er. „Was man als Reservist auch beruflich macht: In dem Moment, wo der Anruf kommt, ist man wieder Soldat.“

Anzug aus, Uniform an

Siebelds tauscht den Anzug gegen die Uniform. Er lässt sich für einige Wochen von der Bank freistellen. Seinen Verdienstausfall übernimmt der Bund. Die Kollegen zeigen Verständnis, ist sein Einsatz doch für eine gute Sache. Der zweifache Familienvater hat selbst im Frühjahr eine hartnäckige Corona-Infektion überstanden. Zu helfen, die Pandemie einzudämmen, treibt ihn auch deshalb umso mehr an.

Noch am selben Tag treffen die Soldaten aus verschiedenen Standorten ein. Vieles muss für ihren Aufenthalt organisiert werden. Als Leiter des Kreisverbindungskommandos Frankfurt kennt Siebelds die Örtlichkeiten und die Ansprechpartner, ist gut vernetzt. Er bespricht sich mit dem Hessischen Ministerium, dem DRK, der Firma Centogene, die auch ein Testzentrum im Flughafen anbietet, dem Gesundheitsamt, dem Flughafenbetreiber Fraport und der Flughafenpolizei. Dann kann es losgehen.

Reisende registrieren

In den Flugzeugen müssen die Reisenden aus Risikogebieten nun ihre Kontaktdaten der Flugbegleiterin aushändigen. An Boden bringen Soldaten die sogenannten Aussteigekarten zu ihren Kameraden in ein nahegelegenes Hotel. Dort faxen rund 60 Helfer an zehn Faxgeräten (aus Datenschutzgründen nicht per E-Mail) im Schichtbetrieb die Daten an die jeweiligen Gesundheitsämter. Später stellt man aus Kapazitätsgründen auf Postversand um. „Mit der Meldung der Kontaktdaten“, erklärt Siebelds, „können die Ämter stichprobenartig herausfinden, ob ein Corona-Test gemacht oder die Quarantäne eingehalten wurde.“

Im Flughafengebäude zwischen Terminal 1 und dem Fernbahnhof empfängt ein anderer Teil der Soldaten die Reisenden. Sie beschriften Teströhrchen und leiten die Personen, die sich schon hier kostenlos testen lassen wollen, zur Teststation des DRK weiter. Von August bis Mitte Dezember werden hier rund 235.000 PCR-Tests vorgenommen. Etwa drei Prozent davon sind corona-positiv, was bedeutet, so viele Urlauber oder Geschäftsreisende haben sich infiziert.

Prominenz vor Ort

Die Abläufe im Frankfurter Testzentrum verlaufen fehlerfrei. Das hat sich herumgesprochen. Mehrere Generäle und Politiker möchten sich vor Ort ein Bild machen. Siegfried Siebelds begleitet sie. Nach den Herbstferien ist der größte Ansturm an Reisenden vorbei. Das DRK stemmt die Tests nun alleine. Die Soldaten fahren nach Hause. Siebelds ist zu diesem Zeitpunkt schon längst wieder an seinen Arbeitsplatz in der Bank zurückgekehrt.

Nach Feierabend stehen noch Pressetermine für ihn an. Und er bearbeitet neue Anfragen der Stadt Frankfurt an die Bundeswehr, diesmal für die Nachverfolgung von Kontaktpersonen. Das Gesundheitsamt braucht Soldaten für den Telefondienst. Seit einer Woche ist er, wie schon im August, von der Bank freigestellt: 90 Soldaten sind eingetroffen. Das DRK schult sie in der Durchführung von Schnelltests bei Besuchern in den Alten- und Pflegeheimen Frankfurts.

Ein Ende dieser Einsätze ist nicht in Sicht. „Wir alle“, sagt Siegfried Siebelds nachdenklich, „sitzen seit bald einem Jahr Abend für Abend vor den Nachrichten und sehen Helfer am Ende ihrer Kräfte. Mancher hat sich dabei vielleicht schon mal leise gefragt, wie könnte ich selbst helfen, statt mich nur über meinen eingeschränkten Alltag zu beschweren. Von daher bin ich dreifach dankbar: Die Commerzbank stellt Reservisten wie mich unbürokratisch für solche Unterstützungsleistungen frei. Meine Kollegen halten mir den Rücken frei, und ich kann etwas dazu beitragen, die Pandemie einzudämmen.“

Siegfried Siebelds
Foto: Privat
Siegfried Siebelds

Key Account Manager

Der Sparkassenkaufmann aus Emden kam 1987 nach Frankfurt in die Vermögensverwaltung der Commerzbank. Seit 2016 ist er im Asset Management in PUK Hauptansprechpartner für den Vertrieb in der Marktregion Süd. Siebelds ist Oberstleutnant der Reserve, Leiter des Kreisverbindungskommandos Frankfurt am Main und Fachberater im Katastrophenschutzstab der Stadt.

Reservisten für Amtshilfe und Katastrophenschutz

Jede Stadt und jeder Landkreis verfügen über je zwölf ortsansässige Reservisten der Bundeswehr. Diese sogenannten Verbindungskommandos beraten die Behörden, ob und wie aktive Soldaten unterstützen können - bei Industrieunfällen oder Hochwasser zum Beispiel oder wie im Fall der Pandemie.

Einsatzort Frankfurter Flughafen

Bundeswehr
FIughafen Frankfurt: Im 3-Schichtbetrieb unterstützen die Soldatinnen und Soldaten im Corona-Testzentrum des Deutschen Roten Kreuzes. Foto: Bundeswehr
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Zu ihren Aufgaben gehören das Registrieren der zu testenden Reiserückkehrer, das Einsammeln und Auswerten der Aussteigekarten und das anschließende Versenden an die zuständigen Gesundheitsämter. Foto: Bundeswehr
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Siegfried Siebelds (rechts) beim Rundgang mit dem Hessischen Innenminister Peter Beuth und Generalleutnant Martin Schelleis. Foto: Bundeswehr
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Als Nationaler Territorialer Befehlshaber der Bundeswehr führt Martin Schelleis seit Frühjahr 2020 die Einsätze von über 20.000 Soldaten gegen die Pandemie. Foto: Bundeswehr
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Siegfried Siebelds erklärt ihm die unterschiedlichen Aufgaben der Soldaten an den verschiedenen Standorten am Frankfurter Flughafen (im Fachjargon "Lagevortrag" genannt). Foto: Bundeswehr
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Auch Kai Klose, Hessischer Staatsminister für Soziales und Integration, kam. Sein Referat hatte den Antrag auf Amtshilfe gestellt. Re: Oberst Siegfried Zeyer, militärischer Vorgesetzter von Siebelds. Foto: Bundeswehr
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Einen Eindruck verschaffte sich auch Generalmajor Carsten Breuer, Kommandeur des Kommandos Territoriale Aufgaben in Berlin. Sein Stab koordiniert bundesweit alle Anträge auf Amtshilfe. Foto: Bundeswehr
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Siegfried Siebelds mit Generalmajor Jürgen-Joachim von Sandrart im Hotel am Frankfurter Flughafen, in dem sich das Lagezentrum für die Einsätze befand. Foto: Bundeswehr
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Zu Siebelds Aufgaben gehören regelmäßige Updates und gemeinsame Übungen mit anderen Hilfsorganisationen. Hier beim Regionalverband Rhein-Main der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Foto: Bundeswehr
Stadt Frankfurt am Main, Maik Reuß
Neuer Einsatz im Februar 2021: Siebelds bespricht mit dem Frankfurter Oberbürgermeister, in welchen Alten- und Pflegeheimen der Stadt die Soldaten bei den Corona-Schnelltests unterstützen sollen. Foto: Stadt Frankfurt am Main, Maik Reuß
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Stadt Frankfurt am Main, Maik Reuß
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