Eine Handvoll Glück

Seit fast drei Jahren engagieren sich Jörg und Katrin Bremert ehrenamtlich für Igel in Not. Was mit der Pflege eines Igels begann, ist für die beiden Dresdner zu einer stacheligen Herzensangelegenheit geworden.

Angefangen hat alles mit einem Facebook-Beitrag der „Igelhilfe Radebeul e.V.“. Der Verein bat um Futterspenden für die Igelpflegestation in der Nähe von Dresden“, erinnert sich Jörg Bremert. Igel im Garten der Großeltern – mehr hatte er bislang mit Igeln nicht zu tun. Dennoch kauften er und seine Frau Katrin spezielles Katzen-Babyfutter und brachten es persönlich zum Verein. „Danke! Aber wenn Sie noch mehr helfen wollen, dann nehmen Sie doch einen Igel in Pflege!“, motivierte sie eine Mitarbeiterin der Igelhilfe.

Darauf waren Jörg und Katrin, die beide Vollzeit in Back-Office-Einheiten bei der Commerzbank Dresden arbeiten, nicht vorbereitet. Wie sollte das zeitlich funktionieren? „Baby-Igel müssen in der Tat alle zwei Stunden gefüttert werden“, erklärte ihnen die Mitarbeiterin. „Doch bei etwas älteren Igeln ist die Pflege längst nicht so zeitaufwendig.“ Und so endete der erste Besuch bei der „Igelhilfe“ nicht nur mit der Abgabe der Futterspende – sondern auch mit Igel Pinky im Gepäck. Ihren Namen erhalten die Igel vom Finder: Pinky wurde in einem pinkfarbenen Eimer in die Igelstation gebracht. „Pinky war im Herbst aufgefunden worden und grundsätzlich gesund“, erzählt Jörg. „Er wog aber zu wenig, um den Winterschlaf in freier Natur zu überleben.“

Pinky – der erste Igel

Plastikbox, Zeitungspapier, Futternäpfe, Schlafhaus und Küchenwaage waren noch am selben Tag besorgt. So konnte Pinky direkt einziehen – und eroberte das Herz seiner Pflegeeltern im Sturm. Zweimal am Tag gaben sie ihm Futter, reinigten seine Box und wogen ihn. „Denn nur am Gewicht kann man erkennen, ob der Igel gesund ist“, erklärt Jörg. Üblicherweise bleiben die Igel ca. zwei bis drei Wochen bei ihren Pflegern. Gesund und mit einem Gewicht von etwa 600 Gramm gehen sie dann zu ihrem Finder zurück. Der entlässt sie im bekannten Terrain in die Freiheit, damit sie sich dort ihr Nest für den Winterschlaf bauen können.

Wenn die Gesundheit des Igels oder das Wetter es nicht mehr zulassen, muss der Winterschlaf ebenfalls betreut stattfinden. Neben der Igelhilfe Radebeul und Privatleuten hilft hierbei die Justizvollzugsanstalt Zeithain. Im Außenbereich gibt es ein kleines Tiergehege, das von Gefangenen betreut wird. Davon profitieren nicht nur die Igel: Die Insassen lernen durch die Pflege der Igel, Verantwortung zu übernehmen.

Hilfe für kranke Igel

Pinky jedoch konnte nach seinem Aufenthalt bei den Bremerts zurück in die Natur. Nachdem sie „ihren“ Igel zurückgegeben hatten, stand für Katrin und Jörg fest: Sie wollten noch weiteren Tieren helfen. Bald fühlten sie sich sicher genug, um Igel zu pflegen, die Medikamente benötigen. Keine leichte Angelegenheit, denn ein Igel rollt sich bekanntermaßen fest zu einer Kugel zusammen, wenn er sich bedroht fühlt. Hier halfen nur Tricks und viel Geduld. „Wir saßen vor unserer Handvoll Igelkugel und machten Schmatzgeräuche, was das Zeug hielt. Irgendwann schnupperte die kleine Igelnase aus der Kugel heraus und es galt, schnell zu sein mit der mit Medizin gefüllten Pipette“, erinnert sich Katrin.

Bitte lasst eure Mähroboter nicht in der Dämmerung den Rasen mähen!

Jörg Bremert

Auch verletzte Igel nahmen die Bremerts in Pflege und versorgten ihre Wunden. Neben den natürlichen Fressfeinden Fuchs, Uhu und Dachs ist das Auto der größte Feind des Igels. Und mittlerweile auch der Mähroboter. „Bitte lasst eure Mähroboter nicht in der Dämmerung den Rasen mähen“, bittet Jörg. Bei Gefahr fauchen Igel und rollen sich zu einer stacheligen Kugel zusammen – laufen aber nicht weg. Die Folge ist, dass die nachtaktiven Tiere mit Mährobotern kollidieren und schlimme Verletzungen an den Beinen oder an der Schnauze davontragen. „Meist können derart verletzte Igel nicht wieder ausgewildert werden und bleiben dauerhaft in Betreuung“, erklärt Jörg. Der von vielen Herstellern beworbene Kollisionsschutz stoppt für die Tiere zu spät.

Elf auf einen Streich

In ihrem Haus bringen die Bremerts die Igel in Boxen in einem eigenen Raum unter. So konnten sie mitunter auch ganze Würfe aufnehmen. „Elf Igel hatten wir eines Tages gleichzeitig in unserer Obhut. Das war das Maximum, wir hatten das Gefühl, in einer Wildtierstation zu leben“, lacht Katrin. 60 Igeln haben sie bisher geholfen, wieder ausgewildert zu werden. Zwei Igel haben sie als Dauergäste in Pflege, vier halten derzeit im heimischen Garten in Igelhäusern Winterschlaf.

Viele Geschichten und lustige Begebenheiten können sie inzwischen erzählen: Etwa von einem Igel, der unter die Einbauküche gekrochen war, dort festklemmte und nur mit dem teilweisen Abbau der Küche gerettet werden konnte. Oder von überraschenden Filmaufnahmen: Um zu sehen, ob „wilde“ Igel im Garten leben, stellten die Bremerts Wasser und Futter im Garten auf – und eine Wildkamera. Und staunten nicht schlecht, als das Video zeigte, wie Fuchs und Igel einträchtig gemeinsam aus dem Futternapf fraßen.

Hilfe durch jedermann

Auch wer nicht gleich so viel Zeit wie die Bremerts aufbringen möchte, kann Igeln Gutes tun: „Igel mögen einen naturnahen Garten mit einem Totholzstapel, einer Hecke oder einem Laubhaufen“, erklärt Jörg. „Im heißen Sommer freuen sich die stacheligen Gesellen über ein Schälchen Wasser und Katzentrockenfutter. Damit sich hieran keine Katzen bedienen, hilft ein spezielles Igel-Futterhaus. Und es gibt sicher eine Igelstation in der Nähe, die jede Hilfe gebrauchen kann.“

Igel

Igel werden in freier Natur zwei bis vier Jahre alt. Ausgewachsen sind sie rund 25 cm lang und wiegen bis zu 1,5 Kilo. Bei Gefahr rollen sie sich mittels eines Ringmuskels ein und richten ihre rund 7.000 Stacheln auf. Sie sind Einzelgänger und treffen sich nur zur Paarungszeit. Ein Wurf besteht aus bis zu acht Igeln. Sie fressen hauptsächlich Laufkäfer; Ohrwürmer sind besonders lecker. Igel ernähren sich jedoch entgegen weit verbreiterter Meinung nicht von Milch und auch nicht von Äpfeln. Sie halten bis zu sechs Monate Winterschlaf. Igel stehen unter Naturschutz und dürfen daher, außer wenn sie krank sind, der Natur nicht entnommen werden.

Mehr Informationen

Jörg Bremert
Foto: Jörg Bremert
Jörg Bremert

Gruppenleiter Firmenkunden-Service in Dresden

Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Commerzbank Mannheim arbeitete Jörg in der Geschäftsabwicklung für Filialen in Mannheim als Generalist. 1998 zog es ihn zurück in seine Heimat Dresden, wo er weiterhin im Back-Office als Spezialist u.a. Nachlässe oder Pfändungen für Privatkunden bearbeitete, ab 2007 für Firmenkunden. Seit 2018 ist Jörg Gruppenleiter Firmenkunden-Service in Dresden.

Katrin Bremert
Foto: Katrin Bremert
Katrin Bremert

Sachbearbeiterin Back-Office in Dresden

Katrin kam 1994 zur Commerzbank Dresden und arbeitete zunächst als Generalistin in der Geschäftsabwicklung für Filialen. Als Spezialistin im Back-Office war sie anschließend u.a. in den Bereichen Wertpapier/Steuern sowie Einlagen tätig. Nebenberuflich qualifizierte sie sich zur Bankkauffrau. Seit 2015 beschäftigt sie sich hauptsächlich mit dem Thema MiFID-Klassifizierungen für Privat-, Unternehmer- und Firmenkunden.

Woran erkennt man kranke Igel?

Igel sind nachaktiv. Sieht man sie tagsüber, sollte man zunächst abwarten, ob die Igelmutter ihre Jungen nur kurz für die Jagd verlassen hat. Oft sind Igel jedoch krank, wenn sie am Tage zu sehen ist. Sie sollten dann in eine Igelstation gebracht werden. Sie einfach mit ins Haus zu nehmen, ist nicht zu empfehlen, da sie oft von Parasiten befallen sind. In Igelstationen werden sie registriert, geimpft und entwurmt. Danach werden sie in der Station gepflegt oder es werden Pflegestellen für sie gesucht.

Igelhilfe Radebeul

Die Igel der Bremerts

Jörg Bremert
Eine Handvoll Glück Foto: Jörg Bremert
Jörg Bremert
Ein ganzer Wurf Igel wurde beim Abbau eines Pools gefunden. Foto: Jörg Bremert
Jörg Bremert
Aiko ist ein wilder Igel. Er war krank und fand den direkten Weg zu seinen Pflegeeltern in deren Garten. Dort wurde er gesund gepflegt. Foto: Jörg Bremert
Jörg Bremert
Pflegeigel wollen am Abend mit Spielzeug beschäftigt werden. Foto: Jörg Bremert
Jörg Bremert
Fast genesen: Lilo ist zur Gewöhnung an die freie Natur im Außengehege. Bald geht es wieder zurück in die Freiheit. Foto: Jörg Bremert
Jörg Bremert
Fressfeinde können auch Fressfreunde sein. Die Aufnahme der Wildkamera zeigt Fuchs und Igel bei Nacht gemeinsam am Futternapf. Foto: Jörg Bremert
Jörg Bremert
Helfer und Unterstützer sind jederzeit willkommen bei der Igelhilfe in Radebeul bei Dresden. Foto: Jörg Bremert
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Igelglück Foto: Jörg Bremert
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