Gutes Gewissen und gute Rendite: Geht das?

Immer mehr Privatanleger interessieren sich für nachhaltige Investments. Doch was verbirgt sich dahinter? Was bietet die Commerzbank an? Und wird die Welt dadurch besser? Dazu Peter Körndl und Chris-Oliver Schickentanz aus dem Asset Management.

Was ist eigentlich eine nachhaltige Geldanlage?
Chris-Oliver Schickentanz: Wer nachhaltig anlegen möchte, der entscheidet sich zum Beispiel für einen Fonds, der in Unternehmen investiert, die nicht in irgendeiner Form der Umwelt oder Gesellschaft schaden oder die auf dem Weg sind, sich in puncto Nachhaltigkeit zu verbessern. Nachhaltig ist für uns eine Geldanlage, die langfristig ökonomisch erfolgreich ist. Dies lässt sich bei Unternehmen an einem Dreiklang aus ressourcenschonendem Umgang, der Berücksichtigung sozialer Aspekte und effizienten Kontrollprozessen festmachen. Entsprechend spricht man auch gerne vom ESG-Ansatz: E für Environment, S für Social und G für Governance.

Nachhaltige Geldanlage gilt mittlerweile als Megatrend. Warum?
Peter Körndl: Weil immer mehr Kunden, gerade auch jüngere, verantwortungsvoll investieren möchten. Damit springt nun endlich auch der Privatanleger auf den Zug auf, den institutionelle Anleger, wie zum Beispiel Kirchen oder Stiftungen, seit Jahren vorleben. Im Gesamtjahr 2019 hat sich das nachhaltig angelegte Volumen deutscher Privatkunden fast verdoppelt.

Was bietet die Commerzbank ihren Kunden an?
Körndl: Als Commerzbank haben wir schon 2013 eine Nachhaltigkeitsvariante unserer Vermögensverwaltung auf den Markt gebracht. Sie richtete sich zunächst vor allem an Kirchen und gemeinnützige Stiftungen. 2016 haben wir die Einstiegshürde von 5 Millionen Euro auf 500.000 Euro gesenkt und uns damit ein deutlich größeres Kundenpotenzial erschlossen. In diesem Jahr entfällt ein beträchtlicher Anteil aller VV-Neuabschlüsse auf die Nachhaltigkeitsvariante.

Schickentanz: Aber auch im Beratungsgeschäft für weniger vermögende Kunden haben wir mittlerweile ein umfangreiches Angebot. Das reicht von kostengünstigen ETF-Lösungen über aktiv gemanagte Fonds bis hin zu Einzelinvestments. So bieten wir seit Anfang 2020 beispielsweise ein eigenes Musterdepot für nachhaltige Investments an.

Und wie prüft man die Nachhaltigkeit der Unternehmen, die man für das Portfolio auswählt?
Körndl: Dafür beauftragen wir die Ratingagentur MSCI ESG-Research. Über 300 Experten weltweit analysieren fortlaufend das Verhalten von mehr als 7000 Unternehmen und Staaten in den ESG-Kategorien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Dabei vergibt die Agentur „Noten“ von AAA - sehr gut bis CCC - sehr schlecht.

Und in unseren Produkten sind dann doch sicher nur Unternehmen mit Top-Bewertung?
Schickentanz: Nein. Denn beim Thema Nachhaltigkeit ist Schwarz-Weiß-Denken fehl am Platz. Natürlich haben wir strenge Ausschlusskriterien definiert, die für uns auch nicht diskutabel sind. Dazu gehören zum Beispiel Produzenten von Streumunition oder Unternehmen, die Kinderarbeit nicht rigoros unterbinden.

Darüber hinaus gibt es aber zwei unterschiedliche Wege, wie sie nachhaltig investieren können: Der erste Weg, der „Best in Class“-Ansatz, setzt tatsächlich ausschließlich auf die „Guten“, also auf Unternehmen, die innerhalb ihrer Branche in Sachen Nachhaltigkeit schon heute top dastehen. Investiert wird dann nur in die Besten einer „Klasse”. Für viele Unternehmen ist es ein Ansporn, verstärkt auf Nachhaltigkeit zu achten, um diesen Titel in ihrer Branche zu ergattern. Der zweite Weg, das „impact investing“, versucht Unternehmen ebenso zu Veränderungsprozessen zu bewegen. Hier wird ganz bewusst in Unternehmen investiert, die noch nicht in allen Aspekten nachhaltig agieren, aber die Bereitschaft zur Veränderung erkennen lassen.

Körndl: Für unsere nachhaltige Vermögensverwaltung kombinieren wir übrigens sehr restriktive Ausschlusskriterien mit einem „Best in Class"-Ansatz.

Warum bieten wir eigentlich nicht ausschließlich nachhaltige Geldanlagen an?
Schickentanz: Weil Geldanlage per se weder gut noch böse ist. Nur, weil ein Investment nicht das Label „nachhaltig“ trägt, muss es noch lange nicht schlecht sein. Unsere Hauptaufgabe besteht darin, Transparenz zu schaffen, über Nachhaltigkeit zu informieren, unsere Kunden zum Nachdenken anzuregen und attraktive Nachhaltigkeitsprodukte anzubieten. Wenn sich ein Kunde bewusst anders entscheidet, weil ihm andere Werte wichtiger sind, respektieren wir das und haben die passenden Alternativen.

Bisher sind nur circa zwei Prozent der deutschen Privatanleger nachhaltig investiert.
Körndl: Viele vermuten immer noch, dass es sich hierbei nur um Investments in Windkraftanlagen oder Solarstrom handelt, das Ganze mehr Gebühren kostet und weniger Rendite bringt als traditionelle Anlageformen. Doch nachhaltige Geldanlage betrifft – wie schon erwähnt – viel mehr Bereiche, sie kostet nicht mehr und bringt mittel- bis langfristig mindestens die gleiche Rendite bei tendenziell niedrigerem Risiko.

Die Nachfrage steigt. Wie bereiten Sie sich darauf vor?
Schickentanz: Wir nutzen den aktuellen politischen Rückenwind aus Brüssel, um das Thema Nachhaltigkeit fest in unserem Beratungsprozess zu verankern. Wir haben unsere Berater über den ESG-Gedanken informiert und sind seit gut einem Jahr mit einem eigenen Veranstaltungskonzept für Kunden unterwegs, zuletzt über digitale Kanäle. Spätestens 2021 werden wir in alle Aktien- und Anleiheanalysen ausführliche ESG-Informationen einbauen. Seit kurzem beleuchten wir zudem gemeinsam mit ausgewiesenen Branchenexperten quartalsweise die verschiedenen Facetten des verantwortungsvollen Investierens in unserem Videoformat nachhaltig+.

Körndl: Bis 2025 werden alle Vermögensverwaltungs-Lösungen der Commerzbank Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. Dabei wird es durchaus Unterschiede im Implementierungsgrad geben. Im Januar 2020 haben wir ESG-Kriterien für Einzelwerte für das gesamte Asset Management eingeführt. Ende 2020 werden ESG-Kriterien fest in alle Anlageentscheidungen integriert, und wir werden beispielsweise keine Aktien oder Unternehmensanleihen mehr in das Portfolio aufnehmen, die ein schlechtes Nachhaltigkeitsrating aufweisen oder gegen den UN Global Compact verstoßen. Im kommenden Jahr wollen wir zudem einen unabhängigen Nachhaltigkeits-Beirat gründen, der die ESG-Fortschritte im Asset Management kritisch begleitet und kontrolliert.

Viele Anleger glauben, dass nachhaltige Geldanlagen nur das eigene Gewissen beruhigen, aber die Welt nicht verbessern werden.
Schickentanz: Wir bewerten das viel positiver und sehen sehr wohl, dass sich Unternehmen dem Druck ihrer Kapitalgeber beugen. Wenn ein nicht-nachhaltiges Unternehmen deutlich höhere Finanzierungskosten in Kauf nehmen muss als seine nachhaltigen Wettbewerber, kann das den Prozess des Umdenkens massiv beschleunigen. Und dafür gibt es zahlreiche positive Beispiele. Die „Macht“ nachhaltiger Investoren wächst mit jedem Euro, der in entsprechende Produktlösungen fließt.

Nachhaltigkeit ist also keine Modeerscheinung, sondern bleibt ein Megatrend. Ich kann also von einer langfristig guten Performance meiner nachhaltigen Geldanlage ausgehen?
Körndl: Geldanlage ist stets mit Risiken verbunden. Das gilt auch für das Nachhaltigkeitsthema. Aber langfristig werden Sie mit nachhaltigen Anlagelösungen deutlich besser fahren als mit konventionellen Anlageprodukten – und erst recht Sparbuch und Tagesgeld in den Schatten stellen.

Peter Körndl
Foto: Privat
Peter Körndl

Leiter Nachhaltigkeit im Asset Management

Seit 2012 managt der Diplom-Kaufmann in der Vermögensverwaltung neben klassischen Mandatslinien individuelle Portfolios und konzeptioniert federführend die Nachhaltigkeits-Vermögensverwaltung. Im April 2020 übernahm er als Head of Sustainability Asset Management die Verantwortung für die Nachhaltigkeitsaktivitäten des Asset Managements.

Chris-Oliver Schickentanz
Foto: Christian Lohse
Chris-Oliver Schickentanz

Chefanlagestratege

Er übernahm 2009 die Verantwortung für die Investmentstrategie der Commerzbank auf der Privatkundenseite. 2011 wurde er zusätzlich Chief Investment Officer des Konzerns und wechselte mit seinem Team im Juli 2019 in den Bereich Asset Management. 2011 startete er eine erste Roadshow zum nachhaltigen Investieren in rund zehn deutschen Großstädten. Er verfasste 2014 ein Buch zum Thema und produziert unter anderem ein quartalsweises Videomagazin zum verantwortungsvollen Anlegen.

Auf der Pariser Klimaschutzkonferenz…

… haben sich Ende 2015 rund 200 Länder erstmals auf ein allgemeines, rechtsverbindliches Klimaschutzabkommen geeinigt mit dem Ziel, den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen.

Die EU will die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 im Vergleich zum Jahr 1990 um mindestens 40 Prozent reduzieren. Die Rolle der Finanzindustrie: Kunden mit Produkten und Dienstleistungen auf dem Weg in eine emissionsärmere Zukunft begleiten.

Als Standard nachhaltiger Anlagen…

… hat sich der Begriff ESG etabliert. Er steht für nachhaltigkeitsbezogene Verantwortungsbereiche von Unternehmen.

Environment (E): Umweltgefährdung, Treibhausgase oder Energieeffizienz. Social (S): Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Diversity oder gesellschaftliches Engagement. Governance (G): Unternehmensführung, zum Beispiel Unternehmenswerte oder Steuerungs- und Kontrollprozesse.

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